Donnerstag, 20. Oktober 2011

Die paradoxe Stahl Preisentwicklung fällt obwohl der Rohölpreis steigt


Derzeit findet eine paradoxe Öl- und Stahlpreisentwicklung statt. Beide Rohstoffe sind gute Konjunkturindikatoren und steigen in der Regel, wenn sich die Wachstumsaussichten verbessern. Allerdings signalisieren die diametral auseinander laufenden Preisentwicklungen ein verwirrendes Konjunkturbild. Der Stahlpreis fällt in den Keller, während am Ölmarkt die Notierungen nach oben sprudeln.

Die Stahlpreisentwicklung sinkt in den letzten zwei Monaten von 475,86 auf 396,74 Euro je Tonnen. An der Londoner Metallbörse (LME) wird Walzstahl um -16,63 Prozent billiger. Beim Stahlpreis in Dollar fällt die Talfahrt noch kräftiger aus mit einem Rückgang von 690,00 auf 547,50 USD (-20,65 Prozent).

Kräftig am steigen ist hingegen der Ölpreis. Das amerikanische WTI-Rohöl kletterte von 74,95 auf 89,65 Dollar (+19,61 Prozent). Nordseeöl Brent kostet wieder deutlich mehr als 100 Dollar je Barrel. Die Brent Rohölpreisentwicklung erhöht sich von 99,10 auf 113,80 Dollar (+14,83 Prozent). Die anziehenden Ölpreise deuten darauf hin, dass sich die Weltkonjunktur offenbar nicht so stark abgekühlt hat, wie befürchtet worden war.

Das Essener RWI Wirtschaftsforschungsinstitut prognostiziert einen Rückgang um acht Prozent für die deutsche Stahlproduktion zwischen 2011 und 2012. So erwarten die RWI-Ökonomen, dass sich die Produktion von 44 auf 40,4 Millionen Tonnen verringert. Die Abnahme sei der lahmenden Konjunktur im Euroraum sowie einer verlangsamte Investitionsdynamik geschuldet.

Die Stahlpreisentwicklung 2011 hatte Ende August an der Marke von 700 Dollar gekratzt. So kletterte der Stahlpreis auf 690 Dollar bzw. 476 Euro je Tonne und erreichte ein Rekordhoch. Seitdem haben Stahlkocher jedoch schlechte Karten ihre Preisvorstellungen bei den Abnehmern durchzusetzen und verbuchen Umsatzrückgänge.